Fussverkehr Schweiz
Schulweg
- Hintergrund

Hintergrund

Der Schulweg

Kinderunfälle im Strassenverkehr

Wie verhalten sich unsere Kinder?

Der Schulweg

Der Schulweg bietet Abwechslung

Der Stundenplan diktiert einen fixen Tagesablauf. So bleibt dem Kind der Schulweg als einer der Freiräume, die es braucht: Es unterliegt keiner direkten Eltern- oder Lehrerkontrolle.

Kinder benutzen gerne verschiedene Schulwege. Die Wahl hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Freundinnen und Freunden, Jahreszeiten oder Stimmungen ab. Ebenso variiert die Wahl des Verkehrsmittels: zu Fuss, mit Trottinett oder Velo.

 

Erleben und Erlernen

Erleben und Erlernen sind eng miteinander verknüpft. Die Strasse als Lernort wird häufig unterschätzt. Die auf dem Schulweg gemachten Umwelterfahrungen bringen das Kind der Erwachsenenwelt näher. Das Kind beginnt an der Welt teilzuhaben und entwickelt so Schritt für Schritt die eigene Identität. Auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule erwerben Kinder wichtige Fähigkeiten. Sie gewinnen an motorischer Beweglichkeit und an Selbständigkeit. Sie lernen Situationen richtig einzuschätzen und bekommen Vertrauen in die eigene Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Studien belegen, dass Kinder, die ihre Schule selbst erreichen, ein besseres räumliches Orientierungsvermögen entwickeln.

 

Gemeinsam gehen

Kinder gehen ihren Schulweg nicht gerne alleine. In Gruppen lässt sich der Weg spielend zurücklegen. Gesprächsstoff sind Ereignisse und Probleme aus dem Kinderalltag. Die Hausaufgaben, Prüfungen und Noten in der Schule sind ebenso von Belang wie das Fernsehen und private Dinge.
In diesen Gesprächen werden auch Grenzen und Tabus ausgelotet, z.B. Themen wie Sexualität oder Ungehorsam.

 

Zu Fuss für mehr Gesundheit

Gehen ist eine äusserst gesunde Fortbewegungsart. Selbst kurze Schulwege helfen den Kindern, das Mindestmass an täglicher Bewegung zu erreichen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens 30 Minuten täglich für alle Menschen, für Kinder sollten es aber wesentlich mehr sein. Insgesamt bewegen sich heute viele Kinder zu wenig:

• Laut WHO haben 40% der Primarschulkinder einen schwachen Kreislauf oder erniedrigte Blutdruckwerte.
• Jedes fünfte Kind in der Schweiz ist übergewichtig, 4% sogar fettleibig.
• Bei den Kindern in der Schweiz ist die motorische Leistungsfähigkeit in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
• Die motorischen Defizite führen zu Folgen für unser Gesundheitssystem.

Wenn immer mehr Kinder mit dem Auto gebracht werden, steigt aber auch die Gefährdung für die anderen Kinder:

• Vor Kindergärten und Schulhäusern parkierende Fahrzeuge stellen eine Zusatzgefahr für Kinder dar.
• Die Verkehrssicherheit ist im Auto keineswegs grösser. Die Wahrscheinlichkeit mit dem Auto zu verunfallen ist grösser als zu Fuss.

 

Gehen entlastet die Umwelt

Die Fortbewegung zu Fuss oder mit dem Fahrrad hat gegenüber dem Auto entscheidende Vorteile für die Umwelt: Bei einem Schulweg von 2 km Länge und 200 Schultagen werden ohne «Eltern Taxi» ca. 160 Kilogramm CO² pro Schulkind und Jahr eingespart. Zudem ist die Luft im Auto häufig noch schlechter als draussen. Messungen haben im Vergleich zum Trottoir um ca. 40% - 60% höhere Kohlenmonoxid und Stickstoff-Konzentrationen im Innenraum der Autos ergeben. Zudem bewegen sich Menschen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind, ohne Lärmemissionen durch die Strassen.

» Top


 

Kinderunfälle im Strassenverkehr

Kinder sind im Verkehr gefährdet

Täglich werden im Schweizer Strassenverkehr mehr als fünf Kinder verletzt. Strassenverkehrsunfälle sind die häufigste Todesursache bei Kindern. Ein Viertel aller Kinderunfälle geschehen auf dem Schulweg.

Die Dunkelziffer eingerechnet, ist damit zu rechnen, dass pro Jahr rund 1’300 Kinder auf dem Schulweg verletzt werden.
Heute verunfallen gleich viele Kinder zu Fuss wie als Mitfahrende im Auto, obwohl die Kinder mehr Zeit zu Fuss im Strassenraum unterwegs sind. Positiv ist, dass seit den letzten 20 Jahren die Zahl der Unfälle und die Unfallschwere kontinuierlich abnehmen. Neben all den technischen Verbesserungen an Fahrzeugen und Infrastruktur – z.B. durch verkehrsberuhigende Massnahmen – sind zwei Faktoren für die sinkende Anzahl verletzter oder getöteter Kinder verantwortlich: Die Kinder halten sich weniger im Freien auf als früher, und sie werden vermehrt von den Eltern begleitet.

Langsamer Verkehr ist sicherer

 

Die Geschwindigkeit ist ein zentraler Risikofaktor im Verkehr.

Zum einen führt eine Geschwindigkeitserhöhung zu viel längeren Anhaltewegen: Dort, wo ein mit 30 km/h fahrendes Auto nach einer Vollbremsung stillsteht, hat bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 50 km/h noch gar keine Temporeduktion stattgefunden. Zum anderen führt eine Erhöhung der Kollisionsgeschwindigkeit zu einem überproportionalen Anstieg der Verletzungen bei Zufussgehenden: Bei einer Aufprallge-schwindigkeit von 30 km/h besteht eine Sterbewahrscheinlichkeit von 12%; bei 50 km/h beträgt sie 70%.

 

Gründe für die Gefährdung

Die Verkehrswelt ist von ihrer Struktur her grösstenteils auf die Erwachsenen und insbesondere auf den motorisierten Verkehr zugeschnitten. Während die Strassen ein zusammenhängendes Netz für die Fahrzeuge bilden, werden die Wege der Zufussgehenden immer wieder durch Fahrbahnen unterbrochen. Oft fehlen Querungshilfen. Problematisch sind auch Fahrzeuge, die illegal auf dem Trottoir abgestellt werden und Kinder somit zwingen, auf die Fahrbahn auszuweichen. Oftmals fehlt den Kindern ein Strassenraum (z.B. Begegnungszonen) mit relativ ungefährlichem Verkehrsaufkommen, wo sie den Umgang mit dem Verkehr in geeigneter Umgebung lernen können.
Die Ursachen von Unfällen liegen häufig nicht bei den Kindern, sondern im Fehlverhalten der Erwachsenen. Dazu zählen AutofahrerInnen, die am Fussgängerstreifen nicht anhalten. Auch Erwachsenen sind physische Grenzen gesetzt. Das menschliche Auge kann maximal drei Punkte pro Sekunde fixieren. Bei hohen Geschwindigkeiten und bei vielen wahrzunehmenden Eindrücken – wie es innerorts oft der Fall ist – wird das Auge überfordert. Es «übersieht» gefährliche Situationen, wie etwa das Kind am Strassenrand.
Gut ausgebaute Strassen und die passive Sicherheit des Autos (Airbag, ABS etc.) verleiten zusätzlich zu einer erhöhten Geschwindigkeit und Risikobereitschaft.

» Top


 

Wie verhalten sich unsere Kinder?

Kinder sind anders

Kinder reagieren anders, sind empfindlicher und verletzlicher als Erwachsene. Die Kenntnis über die Besonderheiten unserer Kinder ist daher Grundlage der Schulwegsicherung und einer kindergerechten Verkehrsplanung.

Typische Verhaltensweisen

• Kinder sind im Durchschnitt langsamer unterwegs als Erwachsene, können aber abrupt Richtung und Gehgeschwindigkeit ändern.
• Kinder verfügen über einen hohen Bewegungsdrang und sind stark von ihren Gefühlen beeinflusst.
• Kinder sind spontan und ungeduldig. Eine typische Verhaltensweise ist das plötzliche Überqueren der Fahrbahn ohne Beachtung des Verkehrs.
• Kinder sind unterwegs zwar aufmerksam, jedoch lässt die Konzentration mit der Zeit nach.

 

Körpergrösse

• Aufgrund der geringeren Körpergrösse haben Kinder eine andere Perspektive als Erwachsene und können nicht über fahrende oder parkende Autos hinwegschauen.
• Der Körperschwerpunkt liegt höher als bei Erwachsenen, weshalb Kinder schnell die Balance verlieren.


Sehen und Hören

• Das Blickfeld von Kindern im Vor- und Primarschulalter ist etwa 35% kleiner als das der Erwachsenen.
• Die Nah- und Fernbereichsumstellung des Auges verläuft langsamer.
• Bis zum Schuleintritt ist das Hörvermögen vollkommen ausgebildet. Allerdings sind Kinder noch nicht in der Lage, wahrgenommene Geräusche zu lokalisieren.

 

Motorische Fähigkeiten

• Eine begonnene Bewegung kann von Kindern häufig nicht sofort abgebrochen werden. Zudem ist die Reaktionszeit verlangsamt.
• Kindern fällt es schwer, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Die Koordinierung von Sehen und Laufen entwickelt sich allmählich. Ein Kleinkind kann beispielsweise beim Rennen nicht nach links oder rechts schauen.
• Kinder beherrschen die Technik des Velofahrens noch nicht vollständig.

 

Wahrnehmung

• Bis zum 10. Lebensjahr ist es Kindern nicht möglich, die Geschwindigkeit und Entfernung von Fahrzeugen einzuschätzen.
• Kinder können sich schwer räumlich orientieren sowie links und rechts noch nicht voneinander unterscheiden.
• Kinder verstehen nicht, dass ein Auto nicht sofort anhalten kann und einen Bremsweg benötigt.

Neben den entwicklungsbedingten Besonderheiten der Kinder sind die strukturellen Bedingungen der Wohnumfelder wichtig: Wer sich bereits als kleines Kind unbegleitet im Wohnumfeld bewegen kann und sich an den langsam fahrenden Motorfahrzeugverkehr gewöhnen konnte, ist rascher fähig, den Weg in den Kindergarten oder in die Schule selbstständig zu gehen.

» Top